Lange Zeit war der Frauenfußball in Deutschland von einer stillschweigenden Übereinkunft geprägt: Entweder man spielt auf Weltklasseniveau, oder man gründet eine Familie. Almuth Schult, die mit dem VfL Wolfsburg und der Nationalmannschaft alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, entschied sich für beides.
Ihre erste Schwangerschaft im Jahr 2019 war eine Zäsur. Als sie 2020 ihre Zwillinge zur Welt brachte, war sie die erste aktive Spielerin in der Frauen-Bundesliga, die als Mutter in den Profizirkus zurückkehrte. Dieser Schritt war weit mehr als eine persönliche Entscheidung; es war ein politisches Statement in einem System, das keine Strukturen für Elternschaft vorsah. Schult musste sich ihren Weg zurück erkämpfen, ohne auf vorgefertigte Trainingspläne für postpartale Rückkehr oder Kinderbetreuung während der Auswärtsfahrten zurückgreifen zu können.
Die Herausforderung: Leistungssport und Mutterglück
Die körperliche Belastung einer Torhüterin ist enorm. Sprungkraft, Reaktionsschnelligkeit und eine enorme Rumpfstabilität sind essenziell. Eine Schwangerschaft verändert den Körper grundlegend. Schult berichtete in zahlreichen Interviews davon, wie sie lernen musste, auf ihren Körper zu hören, während sie gleichzeitig den Druck verspürte, schnellstmöglich wieder das Niveau einer Welttorhüterin zu erreichen.
Besonders schwierig gestaltete sich die Organisation. Während männliche Profis oft auf ein privates Netzwerk oder die Unterstützung ihrer Partnerinnen zählen können, die ihre eigenen Karrieren zurückstellen, war Schult darauf angewiesen, dass Vereine und Verbände umdenken. “Wo schlafen die Kinder bei Auswärtsreisen?”, “Wer betreut sie während des Trainings?” – dies waren Fragen, auf die der DFB und die Vereine zunächst keine Antworten hatten.
Der Weg zur vierfachen Mutter: Karriereende und neue Prioritäten
Nach der Geburt ihrer Zwillinge (2020) und ihres dritten Kindes (2023) bewies Schult eine unglaubliche Resilienz. Sie kehrte jedes Mal auf den Rasen zurück, spielte sogar in der US-amerikanischen Profiliga NWSL für den Angel City FC und später für Kansas City Current. Doch im Jahr 2025 folgte die Nachricht, die viele Fans bewegte: Almuth Schult verkündete ihr offizielles Karriereende.
Warum 2025 Schluss war
Der Hauptgrund für den Rückzug aus dem aktiven Profisport war die vierte Schwangerschaft. Am 31. März 2025 gab sie bekannt, dass sie ihre Fußballschuhe an den Nagel hängt. Im Oktober 2025 brachte sie schließlich ihre Tochter zur Welt – ihr viertes Kind.
Die Entscheidung fiel Schult laut eigener Aussage nicht leicht, doch die Vereinbarkeit von vier Kindern und dem extremen Pensum des Profifußballs (inklusive Reisen und täglichem Training) stieß an logistische Grenzen. Zudem kritisierte sie offen, dass viele europäische Spitzenvereine immer noch Vorbehalte gegenüber “Fußball-Mamas” hätten. In Verhandlungen habe sie oft gespürt, dass ihr Status als Mutter als Risiko und nicht als Zeichen von Organisationsstärke gewertet wurde.
Almuth Schult im Jahr 2026: Das Leben nach dem Profisport
Heute, im April 2026, hat sich Almuth Schult fest in ihrer neuen Rolle etabliert. Sie ist nicht mehr “nur” die Ex-Nationaltorhüterin, sondern eine der profiliertesten Expertinnen im deutschen Fernsehen und eine lautstarke Fürsprecherin für Reformen im Sport.
TV-Expertin und Mentorin
Schult ist regelmäßig in der ARD und bei DAZN zu sehen. Ihre Analysen gelten als präzise, fachlich unerreicht und angenehm direkt. Sie nutzt ihre Plattform, um die Professionalisierung des Frauenfußballs voranzutreiben. Ihr Fokus liegt dabei besonders auf:
- Vertraglichen Absicherungen für schwangere Spielerinnen.
- Verpflichtenden Betreuungsangeboten bei Vereinen.
- Equal Pay und besseren medizinischen Standards für Athletinnen nach der Geburt.
Privat lebt sie mit ihrem Ehemann und den vier Kindern im beschaulichen Wendland in Niedersachsen. Dort genießt sie die Bodenständigkeit, die sie schon während ihrer aktiven Zeit immer als Kraftquelle bezeichnet hat.
Statistiken und Erfolge: Eine Karriere der Superlative
Trotz der Pausen durch ihre Schwangerschaften liest sich die Vita von Almuth Schult wie ein Märchen des Fußballs:
FAQs
Wie viele Kinder hat Almuth Schult?
Almuth Schult ist Mutter von vier Kindern. Im Jahr 2020 brachte sie Zwillinge zur Welt, 2023 folgte das dritte Kind und im Oktober 2025 wurde ihre jüngste Tochter geboren.
Ist Almuth Schult noch aktiv als Fußballerin tätig?
Nein, Almuth Schult hat ihre aktive Karriere im Frühjahr 2025 offiziell beendet. Ihr letzter Verein war Kansas City Current in den USA. Heute arbeitet sie primär als TV-Expertin.
Warum hat sie ihre Karriere beendet?
Die vierte Schwangerschaft und der Wunsch, mehr Zeit für ihre wachsende Familie zu haben, waren ausschlaggebend. Zudem kritisierte sie die mangelnde Flexibilität europäischer Top-Clubs gegenüber Müttern im Profisport.
Was macht Almuth Schult heute (2026)?
Sie ist eine gefragte Expertin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (ARD) und bei Streaming-Diensten. Zudem engagiert sie sich ehrenamtlich und politisch für die Rechte von Frauen im Sport.
War sie die erste schwangere Profifußballerin?
Sie war nicht die erste Frau, die schwanger wurde, aber sie war die erste deutsche Nationalspielerin und Bundesliga-Akteurin, die nach einer Schwangerschaft (sogar mit Zwillingen) erfolgreich auf das höchste internationale Niveau zurückkehrte.
Fazit
Almuth Schult schwanger hat den Weg für künftige Generationen geebnet. Wenn heute eine Spielerin in der Bundesliga schwanger wird, ist das kein Grund mehr für eine Vertragsauflösung oder das automatische Karriereende – auch wenn die Strukturen noch immer verbessert werden müssen.
Schult hat bewiesen, dass man Welttorhüterin und Mutter von vier Kindern sein kann. Sie hat gezeigt, dass Disziplin und Familienliebe sich nicht ausschließen. Auch wenn sie 2026 nicht mehr zwischen den Pfosten steht, bleibt ihre Stimme eine der wichtigsten im deutschen Sport. Sie ist das Gesicht einer neuen Ära, in der Frauen im Sport nicht mehr zwischen Biologie und Beruf wählen müssen.

